
"Lord, Lord", "When you wore a tulip", "Sheik of Araby", "Sing on"...
Personnel:
Theo "Fuzzy" Böhner, tp; Fritz Köpcke, cl; Erich Iller Schulz, tb; Uwe Taubert, bjo & voc.; Uwe Wendrich, b; Helmut Reincke, d
Der Tag, an dem die vorliegenden Aufnahmen geschnitten wurden, war genauso regnersisch-melancholisch, wie jener Dezembertag im Jahre 1956, als sich zum ersten Mal einige jazzbegeisterte Mannen in Flensburg fanden, um sich eigenschöpferisch an alten New-Orleans-Weisen auszulassen. Es war das kollektive Bemühen so einfach nicht - das andauernde trübe Wetter jeder Tage verstärkte bereits vorhandene depressive Stimmungen, und so entstand dann jeder Name für das orchestrale Gebilde, der schon häufig Anlass zum Rätselraten gab: Die "Rainy City Stompers".
Viele besinnlich-heitere Histörchen aus der "Zeit des Aufbaus" zwischen damals und heute könnten an dieser Stelle folgen, sie würden künden von jenem unverbrüchlichen Geist der Kameradschaft und Eintracht, der aus gemeinsamen musikalischem Schaffen und Erleben erwächst. Das vielleicht speziell in der hier gewählten Ausdrucksweise des Jazz, eine Stilart, in der Individuen und Gemeinschaft keine unüberbrückbaren Antipoden, sondern verschmolzene, fruchtbare Einheit sind.
Die Stilart, die sich im Laufe der Zeit herauskristallisierte und zu deren vorläufig endgültiger Ausprägung das hier spielende Ensemble, welches von zwei Ausnahmen abgesehen seit einem Jahr zusammenwirkt, führte, ist der Jazz, der von 1900 - 1920 seine Blütezeit in der Hafenstadt New Orleans erlebte. Eine Musik, die keineswegs lediglich nur eine Legende der "History of Jazz" zu sein braucht, sie es der Titel dieser Platte etwas selbstkritisch-spöttelnd zum Ausdruck bringt, - richtig verstanden und ausgeschöpft hat diese vitale, unmittelbare, eruptivexplosive Musik nichts von ihrer Faszination und mitreißende Kraft eingebüßt. Die Zahl begeisterter Anhänger und ausübender Musiker beweist es. Musikalisches Leitbild der Band: Der immer noch rüstig wirkende 60-jährige George Lewis, mit dem der Boss des Ensembles, Uwe "Papa" Taubert, am 21.2.1959 eine denkwürdige Begegnung hatte: Zusammen mit denen, die sich, ohne Schaden an Leib und Seele zu nehmen, als fast einzige "echte" New-Orleanser ins Heute retten konnten, mischte er die seinem Banjo entlockten Harmonien in das musikalische Geschehen auf dem Konzertpodium der Sönderjyllandshalle in Aabenraa.
Das vergangene Jahr war auch ohnehin reich an Begebenheiten: Konzerte und Tanzveranstaltungen in fast allen größeren Städten Schleswig-Holsteins, desgleichen in Dänemark, Sendungen im dänischen Rundfunk - ja, sogar bis in die USA fand die Musik der "Rainy City Stompers" ihren Weg vermittels eines Tonbandes, das von zwei größeren amerikanischen Runfunkstationen gesendet wurde.
Amateurorchester sind dem Gesetz des "Kommen und Gehens" in ihrer personellen Zusammensetzung unterworfen. Das war und ist bei den "Rainies" nicht anders. Trompeter und Klarinettist verlassen aus Gründen beruflicher Fortbildung die Band. Was dann kommt, ist noch ungewiss. Als eine Art von Testament für die künftigen Akteure der Band und für die vielen Anhänger, die sich im Laufe der Zeit hier und dort um die "Rainy City Stompers" scharrten und deren steigende Zahl gewiss die schönste Anerkennung darstellte, wurde der Gedanke einer Plattenaufnahme endlich realisiert, dessen kunststoffgepresstes Ergebnis vor Ihnen liegt. Eigene Initiative, gewiss - aber ohne freundliche Unterstützung von vielen Seiten hätte es wohl doch nicht geklappt.
"Last but not least" ist es den in der Flensburger Arbeitsgemeinschaft "studio nord" zusammengeschlossenen Tonbandfreunden und ihrem technischen und organisatorischen Talent zu ver-[danken]...
rec. 28.2.1060 Pädagogische Hochschule, Flensburg